Spahn hält an Immunitätsausweis fest

Die Einführung eines Immunitätsausweises für das neuartige Coronavirus ist im Kabinett erst einmal vom Tisch. Doch nicht für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er hält weiterhin an der Idee eines ausweisenden Dokuments für die Immunität gegen das Coronavirus fest.

In den letzten Monaten gab es wohl keine Person in der Bundesrepublik, die nicht von den einschränkenden Corona-Maßnahmen betroffen war. Nach den neusten Reproduktionswerten des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben die Maßnahmen, wie etwa die Kontaktbeschränkungen und die Maskenpflicht gezielte Wirkungen entfaltet. Gesundheitsminister Jens Spahn hält nun an einem Entwurf für eine neue Maßnahme fest: Der sogenannte Immunitätsausweis.

Was ist der Immunitätsausweis?

Bei dem Immunitätsausweis handelt es sich um ein Dokument, welches ähnlich einem Impfausweis dokumentiert, ob man immun gegen das neuartige Coronavirus ist. Die Idee ist ein Produkt der medizinischen Literatur, da sich nach Angaben von Spezialisten solche Personen, die schon einmal am Virus erkrankt sind, durch die Erkrankung Antikörper entwickelt haben. Diese schützen den Träger vor einer erneuten Infektion.

Laut Gesundheitsminister Spahn gebe es in anderen Staaten ebenfalls Entwürfe für einen solchen Immunitätsausweis, welcher beispielsweise das Reisen von Bürgern in andere Länder besser kontrollierbar machen könnte.

WHO warnt vor solchen Maßnahmen

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei noch nicht ausreichend wissenschaftlich geprüft und bewiesen, dass eine einmalige Infektion vor einem erneuten Ausbruch des Virus schützen würde. Zwar gebe es Tests um zu ermitteln, welcher Prozentsatz der Bevölkerung bereits Antikörper gegen das Corona-Virus entwickelt hat. Diese Tests sind jedoch nicht darauf ausgelegt festzustellen, ob die Antikörper auch vor einer erneuten Infektion schützen können. Die WHO sieht im Immunitätsausweis die Gefahr, dass Personen mit dem Ausweis annehmen, sie seien Immun und könnten die geltenden Schutzmaßnahmen ignorieren. Solche Ausweise würden dann das Risiko der Ansteckung möglicherweise erhöhen.

Immunitätsausweis in der politischen Kritik

Das Konzept des Immunitätsausweises ist auch in der Politik umstritten. So äußerten sich SPD-Chefin Saskia Esken wie auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock aus unterschiedlichen Gründen gegen die Einführung eines Immunitätsausweises. Zudem befürchten Datenschützer, dass in Zukunft auch andere Infektionen wie beispielsweise eine HIV-Infektion in dem Ausweis dokumentiert werden und somit die Grundrechte von Bürgern beeinträchtigt werden könnten.

Gesundheitsminister Spahn steht diesen Argumenten jedoch nicht negativ gegenüber. Er empfindet die Gegenstimmen durchaus als nachvollziehbar und gesteht zu, dass mehr Zeit nötig ist, um dieses Thema umfangreich zu debattieren und zwischen den Argumenten abzuwägen.

Die Einführung des Immunitätsausweises sollte im Rahmen eines neuen Infektionsschutzgesetzes im Bundestag am 14.Mai 2020 besprochen werden. Die SPD setzte sich diesem jedoch derart entgegen, sodass das Vorhaben zunächst pausiert wurde. Die Diskussion könnte möglicherweise erst dann wieder entfachen, wenn andere Länder beginnen das Konzept des Ausweises für sich zu nutzen.

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Foto: Shutterstock/ stockfour


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